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Pinealon: Struktur, Wirkmechanismen und Studienlage des EDR-Tripeptids

Pinealon ist ein EDR-Tripeptid aus drei Aminosäuren. Der Überblick erklärt Struktur, Genregulationsmodelle und die präklinische Studienlage.

Aktualisiert am 12. Juli 2026 9 Min. Lesezeit
Was ist Pinealon? Visualisierung des EDR-Tripeptids aus Glutaminsäure, Asparaginsäure und Arginin im Kontext der Genregulationsforschung.
Pinealon als EDR-Tripeptid aus drei Aminosäuren im Kontext zellulärer Genregulationsforschung.

TL;DR

  • Pinealon ist ein synthetisches Tripeptid mit der Sequenz Glu-Asp-Arg (EDR) und wird der Klasse der ultrakurzen Peptid-Bioregulatoren zugeordnet.
  • Die Sequenz wurde ursprünglich als aktives Fragment aus Cortexin beschrieben, einem Polypeptid-Präparat aus Hirnrindengewebe.
  • Der in der Literatur diskutierte Mechanismus ist eine direkte Interaktion mit DNA-Promotorregionen, die die Expression von Genen des antioxidativen Systems und der Apoptose beeinflussen soll.
  • Die Datenlage besteht ausschließlich aus Zellkultur- und Tiermodellen. Eine unabhängige Replikation durch andere Forschungsgruppen fehlt weitgehend, und einzelne Endpunkte blieben in Studien ohne Effekt.
  • Pinealon wird ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke angeboten. Es ist nicht für die Anwendung am Menschen oder am Tier bestimmt.

Pinealon gehört zu den am häufigsten diskutierten kurzen Peptiden der Neuro- und Longevity-Forschung. Der folgende Überblick erklärt Aufbau, Herkunft, die in Modellsystemen untersuchten Mechanismen und den tatsächlichen Umfang der verfügbaren Studien.

Was ist Pinealon?

Pinealon ist ein synthetisches Tripeptid aus den drei Aminosäuren L-Glutaminsäure, L-Asparaginsäure und L-Arginin, geschrieben als Glu-Asp-Arg oder im Einbuchstabencode als EDR. In der wissenschaftlichen Literatur wird die Verbindung deshalb häufig als EDR-Peptid bezeichnet.

Wie alle Peptide besteht Pinealon aus kurzen Aminosäureketten, die über Peptidbindungen verknüpft sind. Mit nur drei Aminosäuren zählt Pinealon zu den kürzesten untersuchten Vertretern dieser Stoffklasse.

Eingeordnet wird die Substanz als Peptid-Bioregulator. Dieser Begriff beschreibt kurze Peptide, denen in der Literatur die Fähigkeit zugeschrieben wird, Zell- und Kernmembran zu passieren und die Genexpression zu regulieren. Die Bezeichnung ist eine Klassifikation aus der Forschungsliteratur und keine Aussage über eine Wirkung im Menschen.

Woher stammt Pinealon?

Pinealon wurde als aktives Fragment aus Cortexin beschrieben, einem Polypeptid-Präparat aus Hirnrindengewebe. Die Übersichtsarbeit zum EDR-Peptid ordnet die Sequenz als eines der argininhaltigen Peptide mit neuroprotektiven Eigenschaften in Modellsystemen ein.

Die Substanz stammt aus einem Forschungsprogramm zu kurzen Peptid-Bioregulatoren, das am Sankt Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie durchgeführt wurde. Dieser Ursprung ist für die Bewertung der Studienlage relevant und wird weiter unten aufgegriffen.

Für die heutige Verwendung ist wichtig: Das Material, das in Laboren eingesetzt wird, ist synthetisch hergestellt und nicht aus Gewebe extrahiert. Herkunft im historischen Sinn und Herkunft im produktionstechnischen Sinn sind daher zwei verschiedene Dinge.

Aufbau und Spezifikation von Pinealon

Der Aufbau von Pinealon ist überschaubar, was die Substanz für Modellstudien attraktiv macht. Die Kette enthält zwei saure Reste (Glutaminsäure und Asparaginsäure) und einen basischen Rest (Arginin).

MerkmalAngabe
SequenzGlu-Asp-Arg (EDR)
Anzahl Aminosäuren3
Alternative BezeichnungEDR-Peptid
CAS-Nummer175175-23-2
Molekulargewicht418,4 g/mol
StoffklasseUltrakurzes Peptid, Tripeptid

Die Zahlenangaben zu CAS-Nummer und Molekulargewicht stammen aus einer Quelle mittlerer Belegqualität und dienen hier ausschließlich der Spezifikationsübersicht. Chargenbezogene Werte ergeben sich immer aus der jeweiligen Produktdokumentation, nicht aus allgemeinen Nachschlagewerken.

Das Arginin ist strukturell bedeutsam. Argininreiche kurze Peptide werden in der Literatur als eigene Untergruppe mit neuroprotektiven Eigenschaften in Modellen beschrieben, und Veränderungen der Aminosäurezusammensetzung gelten als Ansatz, um die untersuchte Aktivität gezielt zu verändern.

Wie wirkt Pinealon in Studienmodellen?

Der in der Literatur diskutierte Mechanismus ist eine direkte Interaktion des Peptids mit der DNA in Promotorregionen, also in jenen Abschnitten, die das Ablesen eines Gens steuern. Kurze Peptide sind klein genug, um Zell- und Kernmembran zu passieren, was die Grundlage dieser Hypothese bildet.

Bemerkenswert ist, dass dieser Mechanismus auch außerhalb der ursprünglichen Forschungsgruppe beschrieben wird. Eine unabhängige Übersichtsarbeit zu Peptiden als epigenetischen Modulatoren führt kurze Peptide von bis zu vier Aminosäuren als mögliche eigene Klasse epigenetischer Regulatoren auf, die in der Promotorregion an die DNA binden und dort die Transkription anstoßen können.

Für Pinealon selbst wurde dieser Ansatz mit molekularem Docking untersucht. Dabei wurden Bindungsstellen des EDR-Peptids in den Promotorregionen mehrerer Gene identifiziert, darunter CASP3 (Apoptose) und SOD2 (antioxidatives System). Diese Ergebnisse stammen aus Modellrechnungen und aus Zell- und Tiermodellen, nicht aus Untersuchungen am Menschen.

Reduktion reaktiver Sauerstoffspezies

Ein wiederkehrender Befund betrifft oxidativen Stress. In Kulturen von Kleinhirn-Körnerzellen der Ratte senkte das EDR-Peptid die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, und zwar sowohl bei rezeptorabhängigen als auch bei rezeptorunabhängigen Auslösern von oxidativem Stress.

Diskutiert wird dabei, ob das Peptid freie Radikale nicht direkt abfängt, sondern die zelleigenen antioxidativen Enzyme beeinflusst. Beide Erklärungen sind mit den vorliegenden Modelldaten vereinbar. Eine abschließende Klärung steht aus.

Einfluss auf Dendriten und Zellmorphologie

Der zweite Befundstrang betrifft die Morphologie von Neuronen. In einem Mausmodell der Alzheimer-Forschung (5xFAD-Linie) verhinderten EDR und das verwandte Tripeptid KED den Verlust dendritischer Dornen. Das Modell dient hier ausschließlich der Beschreibung des experimentellen Aufbaus und begründet keine Aussage über eine Anwendung bei Erkrankungen.

Eine Arbeit aus dem Jahr 2024 untersuchte induzierte Neuronen, die aus Fibroblasten älterer Spender gewonnen wurden. EDR förderte dort die Verzweigung des Dendritenbaums, also sowohl die Zahl der primären Fortsätze als auch die Gesamtlänge der Dendriten.

Präklinische Studien zu Pinealon im Überblick

Die verfügbaren Daten zu Pinealon stammen ausschließlich aus Zellkulturen und Tiermodellen. Drei Arbeiten bilden den Kern der englischsprachigen Primärliteratur.

  1. Zellviabilität und oxidativer Stress (2011). In Kleinhirn-Körnerzellen der Ratte wurde eine Senkung der ROS-Bildung und eine Beeinflussung proliferativer Prozesse beschrieben. ROS steht für reaktive Sauerstoffspezies, also sauerstoffhaltige Moleküle, die Zellstrukturen schädigen können.
  2. Rattenmodell zur pränatalen Hyperhomocysteinämie (2012). Trächtige Ratten erhielten Methionin, wodurch der Homocysteinspiegel anstieg. Untersucht wurde, wie sich Pinealon auf die Nachkommen dieser Tiere auswirkte.
  3. Alternde induzierte Neuronen (2024). Aus Hautfibroblasten älterer Spender wurden kortikale Neuronen erzeugt, an denen EDR, KED und AEDG parallel geprüft wurden.

Diese Studien beschreiben Beobachtungen in definierten Modellsystemen. Sie erlauben keine Übertragung auf den Menschen, und sie sind keine Grundlage für Aussagen zu Wirksamkeit, Sicherheit oder Anwendung.

Wie belastbar ist die Studienlage zu Pinealon?

Die Studienlage ist begrenzt, und wer Pinealon wissenschaftlich einordnet, sollte das offen benennen. Vier Punkte sind dafür wesentlich.

Eine dominierende Forschungsgruppe. Nahezu die gesamte Primärliteratur zu Pinealon stammt aus einem einzigen Forschungsnetzwerk rund um das Sankt Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie. Eine breite unabhängige Replikation durch andere Gruppen liegt nicht vor.

Negative Befunde gehören zum Bild. Die Arbeit von 2024 fand bei EDR keinen Effekt auf die Aktivität von Mitochondrien und Lysosomen und ebenso keinen Effekt auf die Alterungsmarker p16 und Lamin B1. Die Wirkung beschränkte sich in diesem Modell auf die Morphologie der Neuronen.

Statistische Zurückhaltung ist angebracht. In derselben Arbeit erreichte die beobachtete Verringerung oxidativer DNA-Schäden durch EDR den konventionellen Signifikanzschwellenwert nicht ganz (p = 0,0566). Ein solcher Wert ist ein Hinweis, kein Nachweis.

Publikationen werden korrigiert. Zur Mausstudie von 2021 wurde 2025 eine Korrektur veröffentlicht, weil zwei Abbildungen identisch waren, obwohl sie unterschiedlich beschrieben wurden. Die Autoren geben an, dass die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen davon unberührt bleiben. Für die Bewertung der Literatur ist die Korrektur trotzdem relevant.

Keiner dieser Punkte entwertet die vorhandenen Befunde. Sie zeigen aber, dass Pinealon eine Substanz im frühen Forschungsstadium ist und nicht eine Verbindung mit gesicherter Evidenz.

Wie unterscheidet sich Pinealon von Epitalon?

Pinealon und Epitalon sind unterschiedliche Sequenzen mit unterschiedlichem Forschungsschwerpunkt. Pinealon ist ein Tripeptid (Glu-Asp-Arg), Epitalon ein Tetrapeptid (Ala-Glu-Asp-Gly, kurz AEDG).

MerkmalPinealonEpitalon
SequenzGlu-Asp-Arg (EDR)Ala-Glu-Asp-Gly (AEDG)
Länge3 Aminosäuren4 Aminosäuren
ForschungsschwerpunktNeuronale Modelle, oxidativer StressTelomerase-Aktivität, zelluläre Alterung

Beide Substanzen stammen aus demselben Forschungsprogramm und werden derselben Klasse ultrakurzer Peptide zugerechnet. In der Arbeit von 2024 wurden EDR, KED und AEDG sogar direkt nebeneinander geprüft, wobei alle drei Peptide die Verzweigung des Dendritenbaums förderten.

Für einen breiteren Überblick über kurze Peptide und Coenzyme in der Longevity-Forschung eignet sich die vergleichende Einordnung von GHK-Cu, Epitalon und NAD+.

Warum sind Reinheit und Identität bei Pinealon entscheidend?

Weil ein Tripeptid klein und strukturell einfach ist, lässt sich seine Identität nicht am Aussehen des Lyophilisats erkennen, sondern ausschließlich analytisch bestimmen. Ein weißes Pulver sieht wie jedes andere weiße Pulver aus.

Drei Dokumente sind für diese Bewertung maßgeblich:

  • COA (Certificate of Analysis, Analysezertifikat): die chargenbezogene Zusammenfassung der durchgeführten Prüfungen mit Chargennummer, Produktidentität, angegebener Reinheit und Prüfmethode.
  • HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie): ein Trennverfahren, das anzeigt, welcher Anteil einer Probe auf die Zielsubstanz entfällt und welcher auf Nebenbestandteile.
  • LC-MS (Flüssigkeitschromatographie mit Massenspektrometrie): eine Kombination aus Trennung und Massenbestimmung, die zusätzlich die Identität der Substanz über ihre Masse absichert.

Bei einer kurzen Sequenz wie EDR ist die Identitätsprüfung besonders relevant, weil eine falsche oder unvollständige Sequenz analytisch auffällt, visuell aber nicht.

Wir haben Peptide Bestellung unter anderem deshalb aufgebaut, weil Reinheitsangaben im Markt häufig als bloße Prozentzahl auftreten, ohne dass ausreichende Belege dahinterstehen. Unsere Position dazu ist unverändert: Eine Reinheitsangabe sollte niemals allein auf einem genannten Prozentwert beruhen, sondern auf chargenbezogenen COA-, HPLC- und LC-MS-Belegen. Wir prüfen bei der COA-Durchsicht Chargennummer, Produktidentität, angegebene Reinheit und Prüfmethode.

Ebenso gilt für uns, dass Dokumentation und Logistik zusammengehören. Eine gute Dokumentation nützt wenig, wenn die Lieferung unzuverlässig ist, und eine schnelle Lieferung nützt wenig, wenn sich das Produkt nicht überprüfen lässt. Wie sich Analysezertifikate im Detail lesen lassen, erklärt der Beitrag zu COA und HPLC.

Pinealon im Forschungskontext beziehen

Wer Pinealon für ein Laborprojekt beschafft, sollte die Produktseite und die verfügbare Dokumentation vor der Bestellung prüfen. Bei Peptide Bestellung ist Pinealon im Shop in drei Packungsgrößen gelistet: 5 mg für €29.90, 10 mg für €42.90 und 20 mg für €72.90.

Die gelisteten Produkte werden mit einer Reinheit von über 99% ausgewiesen, gestützt auf die jeweils chargenbezogene Dokumentation. Welche Zertifikate und Analysen im Einzelfall vorliegen, ist auf der Produktseite einsehbar. Der Versand erfolgt nach Deutschland, Österreich und Spanien, ab einem Bestellwert von €100 versandkostenfrei. Supportanfragen werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden beantwortet.

Pinealon ist ein Forschungsmaterial. Es wird ausschließlich für wissenschaftliche Forschung, Laboranalytik und Qualitätskontrolle abgegeben und ist nicht für die Anwendung am Menschen oder am Tier bestimmt. Die in diesem Beitrag zusammengefassten Befunde stammen aus Zell- und Tiermodellen und begründen keine Aussage über Wirkung, Sicherheit oder Anwendung beim Menschen.

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